Gedichte

Morgens,
wenn die Stadt noch am Schlafen war,
aber die ersten Schornsteine zu qualmen begannen;
wenn nach dem Wecken,
der Blick aus dem Fenster,
die einzige Verbindung zum normalen Leben bedeutet;
wenn ich mich im Bett aufrichtete,
um die ersten Sonnenstrahlen zu erhaschen;
wenn mein Körper mir taub erschien,
und mir mein Geist die Isolation vergegenwärtigte;
f
ühlte ich doch tief in mir,
dass ich dorthin zurückkehren will:
zurück zu den Geschehnissen des Alltags,
zurück zu den Menschen die ich liebe,
zurück zum Leben.

 

NACH-SORGE
Fünf Jahre Angst,Fünf Jahre Zweifel,Fünf Jahre Lernen,
– lernen mit der Angst, dem Zweifel, dem LEBEN umzugehen!
Leben, dass ist morgens aufwachen und denken:
Schön, dass die Sonne scheint!

 

Die folgenden Gedichte galten für mich auch
in schwierigen Phasen meiner Erkrankung als Kraftquellen:

Wr sind alle Zauberkünstler.
Es ist in uns gelegt,
die Welt um uns zu verwandeln,
indem wir die Welt in uns verwandeln.
Nicht das was wir sehen,
sondern wie wir es sehen
bestimmt, was wir fühlen.
Der Schlüssel liegt in uns.
Ulrich Schaffer, „Erinnere dich an deine Kraft“

 

Viel Kraft steckt darin,
den rechten Moment wahrzunehmen
und ihn zu nutzen.
Jedes Problem trägt in sich die Energie,
die wir brauchen um es zu lösen.
Fragen und Antworten
Bilden eine Einheit –
Sie gehören zusammen.
In dem, was uns das Leben zumutet,
liegt gleichzeitig
das Vertrauen des Lebens zu uns.
Was dich ängstigt,
mobilisiert auch deinen Mut.
Was du nicht verstehst, appelliert genau
in dem Moment des Unverständnisses
an deine Findigkeit.
Deine Stärke liegt in deiner Schwäche,
wie das Gold in den grauen Schichten Lehms.
Ulrich Schaffer, „Erinnere dich an deine Kraft“

 

Gerade aus dem Tod, aus dem Wissen um das eigene Ende,
kann Kraft zum Leben entstehen.
Zu wissen, dass wir sterblich sind, zeigt uns die Kostbarkeit des Lebens.
Auf der dunklen FolieLeuchtet auch der kleinste Farbtupfer.
Wenn du das Leben liebst, wirst du immer wieder Wege finden, den Tod in Leben zu verwandeln.
Es gibt nichts, in dem nicht Leben enthalten ist.
Manchmal ist es versteckt,und dann wieder offenbar und überquellend.
Das Leben lässt sich finden.
Ulrich Schaffer, „Erinnere dich an deine Kraft“

 

…und vergiß Nicht,
dass sich mitten im Schmerz
eine Tür auftut,
so groß nur
wie dein kleiner Rest Freude.
Erst blickst du nur durch.
Dann steckst du den Kopf durch,
deine Hände, Arme,
deine Schultern seitlich,
dann springst du im Hechtsprung durch.
Wenn du dich dann umdrehst,
findest du die Tür nicht mehr.
Ulrich Schaffer, „Neues umarmen“

 

Die Ängste
sich eingestanden
in die Händein den Mund genommen
und tief im Innern
öffnen sichverriegelte Türen und Fenster
geben Einlaß
neuem Leben
neuer Hoffnung
dem Mutzu sich selbst
Die Stürme deiner Belastungen
treiben
die Gedanken
umher
erdrücken sie
in deinem Innersten
wirbeln deinen Lebensstaub auf
die Stürme deiner Belastungen
legen in deinem Innersten
vielleicht
längst verdrängte
wertvolleGedanken
frei
Dem Unausweichlichen
auszuweichen
das Unabwendbare
abzuwenden
hieße
das abgefallene Blatt
wieder
an den Baum zu nageln
Margot Bickel „Wage zu träumen“

 

Die zitierten Verse stammen aus den Büchern:
Schaffer, Ulrich: Erinnere Dich an deine Kraft. Kreuz Verlag, Stuttgart (1996)
Schaffer, Ulrich: Neues Umarmen. Kreuz Verlag, Stuttgart (1984)
Bickel, Margot / Steigert, Hermann: Wage zu träumen. Herder-Verlag